Geschichtlicher Hintergrund der Chiropraktik
Die wichtigen Dinge dieser Welt wurden alle schon einmal gesagt. Von jemandem, der sie von jemand anderem kopiert hat. Ähnlich verhält es sich mit der Manipulation der Wirbelsäule. Es ist schwer nachvollziehbar wo und wann diese das erste Mal angewendet wurde. Ausserdem variiert der Begriff Manipulation: Einmal ist damit die Reponierung eines ausgekugelten Gelenks gemeint, ein anderes Mal ist es schlicht eine Mobilisation, d.h. die Bewegung des Gelenks über den selbstständig ausführbaren Spielraum hinaus.
Von den Anfängen…(Claudius Galenos (Galen): 131-202 anno domini, Römisches Reich.
Das Bild ist als kleine Einführung gedacht und zeigt keineswegs eine Verhörmethode sondern ein Versuch, unter Traktion und Druck die Wirbelgelenke zu bewegen («einzurenken»).
Bei einem Blick auf die Geschichte der Manipulation muss man drei Ursprünge unterscheiden:
Es gibt Quellen, die die Manipulation in der «Medizin» der Naturvölker erwähnen. Dann gibt es das grosse Gebiet der östlichen Medizin (Indien und China) und dann wiederum die westliche sprich europäische, arabische und später, wichtiger, die nordamerikanische Entwicklung.
Bezüglich der Heilpraktiken von Eingeborenen berichtet z.B. Kapitän Cook, der englische Seefahrer, von Praktiken der Tahitischen Eingeborenen Frauen, die an ihm herumdrückten und -schlugen, um seinen Rheumatismus zu heilen. Ob sie ihn vielleicht auch aus anderen Gründen schlugen, bleibt dahingestellt. Weiter gibt es so manchen Bericht von Naturvölkern aus Polynesien und Nordamerika, wo Kinder auf den Rücken von Patienten herumliefen, um so Rückenbeschwerden zu lindern.
Chinesische Manipulationspraktiken.
Im östlichen Raum gibt es in der Han Dynastie vor 2000 Jahren einen Eintrag im Buch «The Yellow Emperor’s Classic of Internal Medicine». Darin sind Massagetechniken, Mobilisationen und Manipulationen der Wirbelsäule beschrieben.
In Indien hat die Manipulation des Nackens als Akt der Hygiene bei Bademeistern und Frisören lange Tradition; auch heute noch, leider oft nicht ohne Nebenwirkungen, da eine fachgerechte Diagnose fehlt.
Hippocrates von Chios: 460-377 v. Chr.
In der westlichen Welt findet sich der erste Hinweis auf Manipulationen im griechischen Raum, bei Hippocrates.
Um 400 vor Christus beschreibt dieser in seinem Buch «Von den Gelenken» zwei spezifische Methoden zur manipulativen Behandlung von Gelenksproblemen, eine Traktion und eine Impuls-Behandlung. Sein Einfluss auf die Medizin war immens und die Praktiken der Manipulation mittels Behandlungstisch wurden für rund 2000 Jahre nach seinem Tod weitergeführt.
Claudius Galenos (Galen):
AD 131-202, Römisches Reich.
Auch Galen, ein nicht minder berühmter griechischer Heiler, erwähnt in seinem vierten Buch «Di Loci Affectis» Manipulation nach Nackentraumen. Eingangs illustriert schon ein Bild eine Behandlungsmethode. Hier wiederum ein Beispiel.
Avicenna (Abu‘Ali ibn Sina):
AD 980-1037, Bagdad.
Im Mittelalter war der arabische Raum für seine fortschrittliche Medizin bekannt. Auch dort wird unter Avicenna von Baghdad in seiner medizinischen Enzyklopädie Qanun die Praxis der Manipulationstechniken beschrieben.
Auch Ambroise Paré (1510-1590), der Vater der Chirurgie, gibt, sich auf Hippocrates berufend, spezifische Anweisungen einen herausstehenden Wirbel wieder «hineinzudrücken» um die Beweglichkeit wiederherzustellen. Paré gilt bis heute als Wegweiser für die moderne Chirurgie.
Ab 1600-1800 gibt es dann einen Wandel von den Gelenken zur «humoralen» Krankheitslehre. Die Krankheiten werden mehr mit den Körperflüssigkeiten zusammenhängend interpretiert. Die Muskulatur und deren Behandlung mit Friktion und Massagen rückt deshalb ins Zentrum. Manipulationen der Wirbelsäule als Behandlung findet sich ab dann viel seltener in der Literatur. Dies heisst nicht, dass all die Patienten mit Rückenschmerzen nicht doch manipuliert wurden. Dies beschreibe ich im nächsten Teil meiner kleinen geschichtlichen Einführung, dort unter dem Kapitel «Bonesetters».
Bonesetter, ca. AD 1880, Frankreich.
Ab dem 18. Jahrhundert folgt dann die deutliche Ablehnung der Schulmedizin bezüglich der Wirbelsäulenmanipulation, unter anderem auch wegen den zunehmenden Tuberkulosepatienten – in endemischem Ausmass – und vom Bakterium befallenen Wirbelkörpern. Auch heute noch ist die Tuberkulose einer der meisten Ursachen von bakteriellen Entzündungen der Wirbelkörper und Bandscheiben und deshalb eine klare Kontraindikation für die Manipulation.
Die Bilder sind mit freundlicher Genehmigung der Schweizerischen Chiropraktoren Gesellschaft hier veröffentlicht.
Referenzen:
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